Truschääder Ritterfosenocht 2026
Ritter vom Hahn: Ein Paukenschlag des Humors und ein Augenschmaus für die Sinne!
Drei ausverkaufte Ritter-Prunksitzungen mit über 130 Akteuren
Im mittelalterlich geschmückten Trunstadter Ritterprunksaal wurden wieder alle Register des Klamauks und der Tanzkunst gezogen.
Eine perfekte Ton- und Bühnentechnik, eine vollendete Lichtshow und eine gekonnte wie erfahrene Moderation (Kathleen Grafe und Henning Willig) bildeten den professionellen Rahmen für ein spektakuläres Faschingsprogramm, bei dem sich jede Darbietung als individueller Höhepunkt dieser Veranstaltung darbot. Unterstützt wurde das Moderatorenteam diesmal von der 13-jährigen Elena Eßig, die erfrischend und mit viel Witz ihr Publikum anfeuerte.

Aber beginnen wir von vorne: Das Opening gehörte wieder der technischen Ritter-Abteilung, die mit Raffinesse sowie viel akustischem und visuellem Pomp eine Lasershow inszenierte, welche spannungsgeladen auf den Tanz der Großen Garde überleitete. Grazile Kunst, gepaart mit einer perfekten „Choreo“, wurde vom Publikum mit tosendem Applaus belohnt.
Weiter ging es mit dem Kindersketch „Handyverbot“, der preisgekrönt auch in der Fernsehsendung des Bayerischen Rundfunks „Fasching in Franken – jung und närrisch“ am 15.02.2026 um 18.45 Uhr zu sehen ist. Ella Schenk, Marlene Jäger und Leo Rebhan glänzten bei dem aktuellen Thema vor allem mit den Problemen des absoluten Handyentzugs – und der Lösung durch ein Bio-Handy, das wir alle als Blechdosenschnurtelefon kennen. Im Traum erschienen den drei Protagonisten drei Zwerge als Handyverkäufer.
Die traditionelle Bütt gehörte wieder unserem Tausendsassa Helmut Wohlpart, der sein Leid über 25 Jahre Ehe dem Publikum jammernd vortrug. Dass dieser Silberhochzeitler sich einbildete, auch noch bei der jungen weiblichen Generation anzukommen, ging jäh durch ein Missverständnis im Bus schief, wodurch er sich plötzlich wieder an die Vorzüge seiner Gattin erinnerte.
Einen Showtanz der Extraklasse lieferten die „Burgküken“ als jüngste Tanzgruppe und erheischten sich mit ihrer Samba-Darbietung gleich eine Zugabe. Akrobatik vom Feinsten boten wieder die beiden Funkenmariechen Jana Bäuerlein und Katrin Massobust. Gewagte Sprünge, elegante Pirouetten und eine abwechslungsreiche Choreografie versprachen sportliche Extravaganz mit einem Schuss Esprit.
Im Sketch „Influenceralarm“ versuchte sich eine Erwachsene (Kerstin Wolf) als unprofessionelle Influencerin und machte sich dabei im Italienurlaub zum Gespött der mitgereisten Teenies (Ella Schenk, Leni Geier, Leo Rebhan).
Nun wartete eine weitere optische Sensation auf das Publikum: Das Schwarze Theater aus Prag gab sich die Ehre und zeigte acht flapsige Vogelsträuße, die sich zu verschiedenen Rhythmen im Tanzen versuchten. Natürlich blieben Verrenkungen und Verknotungen bei Hälsen und Beinen nicht aus.
Nach der Pause eröffneten die Ritterfunken als Tanzgruppe den zweiten Teil der Faschingsshow. Mit allseits bekannten ABBA-Melodien zeigten die 18 Mädels tänzerische Interpretationen, bei denen sich jede Montessori-Schule eine Scheibe abschneiden könnte.
Wer die fränkische Sprache in ihrer urtümlichsten Weise erleben und genießen will, muss sich den Sketch „Ratschenexpress“ zu Gemüte führen. Fünf betagte „Dorf-Leerwaafn“ wollten mit dem Zug zur Veitshöchheimer Faschingssitzung und erlebten in ihrem Zugabteil so manche negative Bahn-Überraschung. Dass man hier gemeinsam über die gesamte Dorfgemeinschaft mit derben Sprüchen herfiel, versteht sich von selbst.
Noch geschmackvoller ging es im Schul-Sketch zu. Getarnt und umschrieben mit manch nicht nachvollziehbarer Jugendsprache hatte der neue Lehrer so seine Schwierigkeiten, mit den unterschiedlichen Schülercharakteren zurechtzukommen. Neben pubertierender Schwärmerei, männlicher Hormonüberproduktion und hohler Bildungsschwäche blieb bei den Pennäler-Attacken kein Auge trocken.
Etwas kultivierter trug Michael Kratzer mit seiner Gitarre in purer Fesl-Manier Lieder über das unterentwickelte Unterfranken und über die anstehende Kommunalwahl vor.
Leicht wie eine Feder, grazil und mit viel Anmut schwebte das Männerballett „Zapfhähne“, gewappnet mit einem Wischmopp, über die Bühne. Nach dem Entkleiden der Küchenschürze entgleiste der Hausfrauentanz in eine Chippendales-Revue.
Was fehlt noch bei einer Ritter-Prunksitzung? Da war doch noch was! Ach ja: „Stecken und Klötzchen“ (Katrin Rebhan und Henning Willig) – die Inbrunst der glücklichen Ehe und alles, was nicht dazugehört. Wer überlegt, in Kürze heiraten zu wollen, sollte sich diesen Sketch nicht entgehen lassen, um schnell festzustellen, diese Lebensentscheidung doch lieber zu lassen.
Nach dem intellektuellen Wortgefecht konnte nur noch eine Attraktion für die Augen folgen: Die große Tanzgarde verführte alle Zuschauer in den Urwald und erzählte tänzerisch die Geschichte der Amazonen, die sich gegen viele Feinde behaupten mussten und letztlich doch untergingen.
Im Finale flanierten nochmals alle Akteure über die Bühnenbretter, tanzten zu „Baila Baila“ und verabschiedeten sich um 0.30 Uhr bei einem sehr aufmerksamen wie auch applaudierfreudigen Publikum. Anschließend feierten die Ritter sich selbst, mischten sich unters Publikum, feierten gemeinsam und schmiedeten bereits neue Ideen für die kommende Session.
Ein mehr als gelungener Abend, bei dem das Publikum begeistert mitmachte, viel Frohsinn aufsog und die Ritter sich zufrieden mit ihrer Leistung zurücklehnten. Freuen wir uns schon jetzt auf die Faschingsprunksitzungen 2027.
Text: Roland Kunzmann
Fotos: Christine Herold, Alexander Waltrapp
